Kickstiefel für Tansania

(2002 von Uwe Stierlen)

Der Aufruf...

Wenn Ihr "alte" Fußballschuhe (Turnschuhe) in noch gebrauchsfähigem Zustand im Schrank habt, dann sind diese bei uns genau richtig. Auch Torwarthandschuhe sind herzlich willkommen. Gebt diese im K-Point im ADM-Sportpark bei Kim Stehle ab. Wir sammeln alle gespendeten Schuhe und sorgen dafür, dass sie an Kinder und Jugendliche in Tansania verteilt werden. Helft uns dabei, den afrikanischen Jugendlichen eine kleine Freude zu machen, wenn sie die ersten Fußballschuhe ihres Lebens anziehen dürfen. Die Bunten Blauen werden in das Paket auch noch ein paar Kickers-T-Shirts und auch Bälle einpacken. An dieser Stelle schon mal ein Herzliches Dankeschön an Herrn Uwe Rieger vom Förderkreis, der uns spontan zehn Fußbälle zugesichert hat. Über die Verteilaktion werden wir ausführlich berichten. Das Interview zur Aktion in der Stadionzeitung ist hier zu finden. Für Eure Unterstützung möchten wir uns bereits jetzt bedanken ! Ein herzliches Dankeschön für die Sachspenden an:
Herrn Uwe Rieger vom Förderkreis, der uns spontan zehn Fußbälle zugesichert hat. Über die Verteilaktion werden wir ausführlich berichten. Das Interview zur Aktion in der Stadionzeitung ist hier zu finden. Für Eure Unterstützung möchten wir uns bereits jetzt bedanken ! Ein herzliches Dankeschön für die Sachspenden

Es geht los...Kickstiefel für Tansania -

Teil 1 K-Point -> Daressalam

Am Tag des letzten Heimspiels der Saison 2001/2002 endete auch die Sammelaktion "Kickstiefel nach Tansania. Hier die ersten Informationen: Noch vor dem Mittagessen wurde die große blaue Kiste, ein blauer Sack voll Fußbällen und eine Torhütertasche gefüllt mit Utensilien in die Pkws verfrachtet. 14 T-Shirts, 15 paar Erwachsenen-Fußballschuhe, 8 paar Kinder-Fußballschuhe, 8 paar Turnschuhe und 14 Bälle konnten im Handgepäck untergebracht werden, einige der noch verbliebenen Schuhe werden dem nächsten Tansania-Fahrer der Mission eingepackt.

Am Pfingsmontag, 19.05.2002, machte sich Uwe Stierlen (Bruder von Bunte Blaue Mitglied Ralf Stierlen) auf den Weg. Mit dem Flugzeug von Stuttgart nach Daressalam. Von dort aus beginnt der abenteuerliche Teil der Reise: 900 Kilometer mit dem Bus nach Mbeya. Dauer läppische 24 Stunden. Wir hoffen, dass alles glatt geht und wir bald viele schöne Bilder von der Übergabe und dem ersten Ausprobieren bekommen.

Die Übergabe...

Nachdem wir schon kurz über den Weg der Spenden von der Geschäftsstelle in Degerloch nach Tansania berichteten, folgt nun der Bericht und die Bilder von Übermittler Uwe Stierlen über die Reise durch das ostafrikanische Land und die Verteilung der Kickschuhe, Bälle und T-Shirts:
,,Hurra! Vielen, vielen Dank!" ,,Der Herr sei gepriesen!" ,,Sag Deinen Freunden in Deutschland viele, viele Grüße". Die Schülerinnen und Schüler der Bibelschule in Lutengano, sind ganz aus dem Häuschen vor lauter Freude. Ein richtiger Ball - und feste Kickstiefel - das ist hier in dieser abgelegenen Bergwelt in Tansania schon ein riesige Sache. Die Aktion, Bälle und Kickstiefel zu sammeln, war also ein voller Erfolg.
Sie hat genau das erreicht, was sie sollte: Afrikanischen Jugendlichen einen partnerschaftlichen Gruß und ein Stück Lebensfreude zukommen zu lassen.
Schon alleine die Fahrt von Mbeya nach Tukuyu war für Renate und mich ein Erlebnis eigener Art. Die Straße führt durch ein herrliches Bergland vulkanischen Ursprungs. Es gibt dort saftige Bananenstauden, herrliche Wasserfälle, Kraterseen, heiße Quellen. Der mit Menschen, Hühnern und Maissäcken vollgepfropfte Kleinbus fuhr aber mit einem solchen Affenzahn, dass wir bei jeder Kurve die Luft anhalten mussten. Und als es dann in einem noch klapprigeren Vehikel von Lutengano nach Ushirika den Berg runterging, beteten wir, dass die Bremsen auch wirklich halten würden. Schließlich atmeten wir auf, als wir wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten.

Wir ließen die Straße hinter uns und wanderten eineinhalb Stunden durch das wunderschöne Bergland von Tukuyu. Im Rucksack: Ein Ball und ein paar Fußballschuhe aus der Aktion der Bunten Blauen. Es musste in der Nacht zuvor geregnet haben. Die Erde war von Feuchtigkeit tiefrot und schwer. Die Bananenstauden, Tee- und Kaffeepflanzen leuchteten in einem ganz intensiven Grün. Und die Leute vor ihren strohbedeckten Lehmhäusern grüßten uns freundlich. Wir waren auf der Wanderung natürlich immer von einer Schar Kindern umgeben. Für sie war es eine Attraktion, dass zwei Weiße zu Fuß durch ihr Gebiet gingen. Es war beeindruckend, mit wie viel Sorgfalt und Mühe die Leute ihre Felder angelegt hatten. Jeder Meter Erdboden war fein säuberlich von Hand mit der Hacke umgegraben und bepflanzt worden. Es bricht einem fast das Herz, wenn man daran denkt, wie viel diese Menschen für ihre Ernte arbeiten müssen und was sie dann für einen Hungerlohn für ihren Kaffee, Bananen oder ihre Bohnen erhalten.

Schließlich kamen wir am Ziel unserer Wanderung an: In Lutengano, einer Siedlung, in der es eine Secondary School sowie eine Bibelschule gibt, die dort, mitten in dieser abgelegenen Gegend, von der Moravian Church unterhalten wird. Für die Jugendlichen in der weiteren Umgebung ist diese Schule die einzige Möglichkeit eine Bildung zu erhalten, die in etwa unserem Realschulabschluss entspricht. Wir besuchten Leute, die wir in dieser Gegend kannten (bei zwei älteren Leuten hatte ich einmal mitgeholfen, das Dach zu decken), übernachteten und am nächsten Tag kam dann der große Augenblick: Die Übergabe der mitgebrachten Geschenke.
Wir gingen zu den Studenten. Diese ließen natürlich ihre Schulsachen nur zu gerne stehen und liegen. Und als wir schließlich aus unserem Rucksack den Ball holten, da brachen sie in Jubelgeschrei aus. Die Jungs und Mädchen hüpften vor Freude und waren ganz außer sich. Allerdings musste die Übergabe schon in aller Form geschehen. Der Schulleiter (ein ehemaliger Student von mir) wurde gerufen. Wir gingen in einen Versammlungsraum, wo wir Tee und Brot erhielten. Dann wurden wir begrüßt und vorgestellt. Renate und ich mussten Grußworte sprechen, bis dann die mitgebrachten Utensilien feierlich dem Direktor überreicht wurden. Dieser übergab sie ebenso feierlich dem Vertrauenslehrer, der sie seinerseits dem für Spiel und Sport zuständigen Ausschuss der Schüler aushändigte. Schließlich wurde noch gebetet und ein Segenswort gesprochen, bevor sich die Gruppe der Schüler zur Fotoaufnahme im Innenhof versammelte.
Wie fast überall auf der Welt spielen auch hier die Jugendlichen mit Begeisterung Fußball. Dazu werden normalerweise aus getrockneten Maisblättern oder alten Plastiktüten Bälle zusammengeschnürt. Als Tor dienen Bananenstauden, zwischen denen die Kinder dann barfuss dem Ball hinterher jagen. Und falls sich während des Spiels die Schnur um den Ball lockert, dann wird das Spiel unterbrochen, der Ball sorgfältig neu geschnürt, bis dann das Spiel wieder fortgesetzt wird.

Zwar gibt es in Tansania im internationalen Vergleich keine überragende Fußballmannschaft, aber wenn man am Samstagnachmittag durch die Dörfer geht, dann herrscht dort eine Atmosphäre wie hierzulande auf einem Campingplatz: Die Leute sitzen vor ihren Lehmhütten um ein Transistorradio herum und verfolgen ganz interessiert die Sportreportagen. Während der Fußball-Weltmeisterschaft gehen die Leute natürlich auch oft zu Fuß bis vor an die Straße, in der eine Bar mit Fernsehgerät gibt, vor dem sich dann eine riesige Traube von Menschen versammelt.
Die Stuttgarter Kickers waren hier zwar nicht bekannt. Aber als ich die Namen Guido Buchwald und Jürgen Klinsmann erwähnte, da leuchteten die Augen.
Ein Riesen-Ereignis war natürlich, als Senegal gegen Frankreich gewann. Die Zeitungen überschlugen sich mit Worten ,,Das erste Tor beim Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft ging an Afrika", ,,Afrika schoss das erste Tor bei der ersten Fußballweltmeisterschaft im neuen Jahrtausend". Es ist schon toll, wie durch Fußball auch über Ländergrenzen hinweg plötzlich ein Gemeinschaftsgefühl entstehen kann.
Sollte jemand in der nächsten Zeit nach Tansania kommen, dann sind außer in Lutengano noch an folgenden Orten die von Euch gestifteten Kickstiefel zu finden: Im Moravian Theological College in Mbeya, der Schule in Utengule. 2 Bälle werden noch nach Sikonge und Sumbawanga gehen. Ich habe mich also bemüht, Eure Sachen in ganz verschiedene Gegenden von Tansania zu bringen. Habt auch meinerseits ganz herzlichen Dank für die nette Aktion.